VIBE CODING
KURS6 min read

Super Powers: Fertige Skills nutzen

Installiere die Superpowers-Sammlung und nutze fertige Skills für Brainstorming, Debugging und mehr.

Super Powers: Fertige Skills nutzen

Du hast gelernt, was Skills sind und wie sie funktionieren. Jetzt wird es ernst: Wir installieren eine komplette Sammlung professioneller Skills, die deine Arbeit mit Claude Code auf ein völlig neues Level heben.

Die Superpowers-Sammlung

Es gibt ein Open-Source-Projekt, das alles verändert: Superpowers von Jesse Vincent. Diese Sammlung enthält dutzende getestete, sofort einsatzbereite Skills für Claude Code.

Stell dir vor: Statt jedes Mal mühsam zu erklären, was du willst, rufst du einfach einen Befehl auf — und der Agent weiß exakt, was zu tun ist. Das ist die Magie von Superpowers.

Was ist in der Sammlung enthalten?

Die Superpowers-Sammlung deckt praktisch jeden Aspekt deines Workflows ab:

Brainstorming & Ideenfindung:

  • /brainstorm — Strukturiertes Brainstorming mit divergentem und konvergentem Denken
  • Der Skill zwingt Claude, zuerst breit zu denken (20+ Ideen), dann zu filtern und zu priorisieren
  • Perfekt für Content-Planung, Feature-Design oder Problemlösung

Test-Driven Development (TDD):

  • /tdd — Implementiert den klassischen Red-Green-Refactor-Zyklus
  • Schreibt zuerst den Test, dann den minimalen Code, dann wird refactored
  • Ideal für robuste, fehlerfreie Entwicklung

Debugging:

  • /debug — Systematisches Debugging mit Hypothesenbildung
  • Der Skill folgt einem wissenschaftlichen Ansatz: Beobachten, Hypothese aufstellen, testen, verifizieren
  • Spart Stunden gegenüber planlosen Debugging-Sessions

De-AI-ify:

  • /deaiify — Entfernt typische KI-Muster aus Texten
  • Erkennt und eliminiert Phrasen wie "In der heutigen digitalen Welt" oder "Es ist wichtig zu betonen"
  • Macht deine Texte menschlicher und authentischer
  • Mehr dazu in unserer Lektion über KI-Slop bekämpfen

Code Review:

  • /review — Gründliche Code-Überprüfung mit Fokus auf Architektur, Performance und Sicherheit
  • Gibt konkretes, umsetzbares Feedback statt vager Kommentare

Und viele mehr:

  • /explain — Erklärt komplexen Code Schritt für Schritt
  • /refactor — Intelligentes Refactoring mit Begründung
  • /test — Generiert umfassende Testsuiten
  • /document — Erstellt präzise Dokumentation

Installation: Schritt für Schritt

Die Installation ist denkbar einfach. Öffne dein Terminal und führe folgende Schritte aus:

Schritt 1: Repository klonen

git clone https://github.com/obra/superpowers.git

Schritt 2: Skills in dein Projekt kopieren

# Erstelle den Skills-Ordner, falls nicht vorhanden
mkdir -p ~/.claude/commands

# Kopiere alle Skills
cp superpowers/commands/* ~/.claude/commands/

Schritt 3: Verifizieren

Starte Claude Code neu und tippe / — du solltest jetzt alle verfügbaren Skills sehen.

> /brainstorm
> /tdd
> /debug
> /deaiify

Wichtig: Die Skills werden global installiert (in ~/.claude/commands). Das bedeutet, sie stehen dir in jedem Projekt zur Verfügung. Alternativ kannst du sie projektspezifisch in .claude/commands/ innerhalb deines Projekts ablegen.

Projektspezifische Installation

Wenn du Skills nur für ein bestimmtes Projekt willst:

# Im Projektverzeichnis
mkdir -p .claude/commands
cp superpowers/commands/brainstorm.md .claude/commands/

Der Vorteil: Verschiedene Projekte können verschiedene Skill-Sets haben. Ein Content-Projekt braucht /deaiify, aber kein /tdd. Ein Code-Projekt braucht /tdd, aber kein /deaiify.

Eigene Skills erstellen

Die wahre Macht liegt darin, eigene Skills zu bauen. Ein Skill ist nichts anderes als eine Markdown-Datei mit klaren Anweisungen.

Anatomie eines Skills

# Skill-Name

## Beschreibung
Was dieser Skill tut und wann man ihn nutzt.

## Eingabe
Was der Nutzer bereitstellen muss.

## Prozess
Schritt-für-Schritt-Anweisungen für den Agenten.

## Ausgabe
Was am Ende herauskommen soll.

## Regeln
Einschränkungen und Qualitätskriterien.

Beispiel: Ein Content-Skill

Hier ein praktisches Beispiel — ein Skill, der LinkedIn-Posts erstellt:

# LinkedIn Post Creator

## Beschreibung
Erstellt einen LinkedIn-Post im VIBE CODING Stil.

## Eingabe
- Thema oder Kernaussage
- Optional: Zielgruppe, Tonalität

## Prozess
1. Analysiere das Thema und identifiziere den Kernwert für die Zielgruppe
2. Schreibe einen Hook (erste Zeile), der zum Weiterlesen zwingt
3. Entwickle den Hauptteil mit konkreten Beispielen
4. Schließe mit einem klaren Call-to-Action
5. Füge relevante Hashtags hinzu (max. 5)

## Ausgabe
Ein fertiger LinkedIn-Post mit:
- Aufmerksamkeitsstarkem Hook
- 150-300 Wörter Hauptteil
- Call-to-Action
- Hashtags

## Regeln
- KEINE generischen Phrasen ("In der heutigen Welt...")
- KEINE Emoji-Überladung (max. 3 Emojis)
- KONKRETE Zahlen und Beispiele statt vager Aussagen
- Persönliche Perspektive, nicht belehrend

Speichere das als .claude/commands/linkedin-post.md — und ab sofort kannst du /linkedin-post aufrufen.

Die WHEN + WHEN NOT Regel

Nicht alles sollte ein Skill sein. Hier ist die goldene Regel, um zu entscheiden:

WHEN — Mache einen Skill, wenn:

  1. Du die Aufgabe mindestens 3x pro Woche ausführst — Wiederholung rechtfertigt Automatisierung
  2. Der Prozess klar definierbare Schritte hat — Vage Aufgaben ergeben schlechte Skills
  3. Die Qualität konsistent sein muss — Ein Skill garantiert gleichbleibende Ergebnisse
  4. Du die Aufgabe delegieren würdest — Wenn du einem Menschen eine Checkliste geben würdest, gib sie dem Agenten
  5. Der Output vorhersehbar ist — Du weißt genau, wie das Ergebnis aussehen soll

WHEN NOT — Mache KEINEN Skill, wenn:

  1. Die Aufgabe jedes Mal anders ist — Kreative Einmalaufgaben brauchen keine Vorlage
  2. Du noch experimentierst — Erst wenn der Prozess stabil ist, lohnt sich ein Skill
  3. Ein einfacher Prompt reicht — Nicht alles muss ein Skill sein; manchmal ist ein guter Prompt genug
  4. Die Aufgabe zu komplex ist — Ein Skill mit 50 Schritten ist unbrauchbar; teile ihn in mehrere Skills auf
  5. Du den Skill nie testen würdest — Ein Skill, den du nicht iterierst, wird schnell veraltet

Die Faustregel

Wenn du beim dritten Mal dieselbe Aufgabe erledigst und dabei denkst "Das habe ich doch schon mal gemacht" — dann ist es Zeit für einen Skill.

Skills modifizieren und verbessern

Installierte Skills sind nicht in Stein gemeißelt. Du solltest sie aktiv anpassen.

Drei Wege zur Verbesserung

1. Parameter anpassen: Ändere die Standardwerte. Wenn /brainstorm normalerweise 20 Ideen generiert, aber du immer nur 10 brauchst, passe das an.

2. Schritte hinzufügen oder entfernen: Vielleicht brauchst du beim /review-Skill keinen Performance-Check, dafür aber einen Accessibility-Check. Passe die Schritte an deine Bedürfnisse an.

3. Ausgabeformat ändern: Standardmäßig gibt /brainstorm eine nummerierte Liste aus. Vielleicht willst du stattdessen eine Mindmap-Struktur oder eine Markdown-Tabelle.

Iteration ist Pflicht

Behandle deine Skills wie Code:

  • Version 1: Funktioniert grundlegend
  • Version 2: Deckt Randfälle ab
  • Version 3: Ist optimiert und robust

Jedes Mal, wenn ein Skill ein unerwartetes Ergebnis liefert, ist das eine Gelegenheit zur Verbesserung. Notiere, was schiefging, und passe die Anweisungen an.

Skill-Kombinationen

Die wahre Magie entsteht, wenn du Skills kombinierst:

/brainstorm "10 Ideen für einen Blogpost über Vibe Coding"
→ Wähle die beste Idee
/linkedin-post "Die gewählte Idee"
→ Review den Output
/deaiify "Den generierten Post"
→ Fertiger, menschlich klingender Post

Das ist eine Skill-Pipeline — und genau so arbeiten Profis. Mehr über Pipelines erfährst du in der Lektion über die 5-Phasen-Pipeline.

Zusammenfassung

  • Superpowers gibt dir sofort einsatzbereite, professionelle Skills
  • Die Installation dauert weniger als 2 Minuten
  • Eigene Skills zu erstellen ist einfach — es ist nur Markdown
  • Nutze die WHEN + WHEN NOT Regel, um zu entscheiden, was ein Skill werden soll
  • Iteriere deine Skills regelmäßig
  • Kombiniere Skills für maximale Wirkung

Im nächsten Kapitel schauen wir uns an, wie Skills in der Praxis funktionieren — mit einer Live-Demo.